Interview mit Richi Waldvogel vom März 2011
Die Hundeschule Langnau gibt es nun schon über 15 Jahre. Wie hat eigentlich alles angefangen?
Herr Ludwig Schatz hat vor über 30 Jahren die Hundeschule Langnau am Albis gegründet. Er war damals einer der ersten (neben Urs Ochsenbein), der ausserhalb der SKG Hundeerziehung anbot. Ludwig Schatz war mein „Lehrmeister“, ich war fast von Anfang an bei ihm und habe heute noch viel von seinem „Gedankengut“ in meiner Hundeschule welche er mir vor 15 Jahren übergeben hat.
Hat die Liebe zu Tieren und speziell zu Hunden eigentlich seinen Ursprung schon in Deiner Kindheit oder hat sich das erst später entwickelt?
Ich habe immer Tiere gehabt, allerdings in meiner Jugend keine Hunde.
Heute wird ja für alles ein Diplom verlangt. Wie war eigentlich Dein Werdegang zum Hundetrainer?
Ich war mit meinen 2 ersten Hovawarten lange Jahre bei Ludwig Schatz. War Gründer der Hovawartausbildungsgruppe Menzingen. Dort leitete ich lange Zeit 2-mal pro Woche die Trainingseinheiten. Zusätzlich habe ich viele Kurse sowohl Theorie und Praxis bei namhaften Kynologen absolviert. Während einiger Jahre leitete ich im Vorstand des schweizerischen Hovawart Club den Bereich Erziehung und Ausbildung.
Durch Deine vielen Tätigkeiten und Aufgaben im Hundesport und mit Hunden allgemein hast Du grosse Erfahrung. Wie hat sich im Laufe der Zeit die Hundeausbildung entwickelt?
Es gibt gute Ansätze das nicht mehr so „hart" mit den Hunden umgegangen wird wie früher. Oft wird auch Konsequenz mit Repression verwechselt. Für meine Begriffe haben leider noch viel zu wenig „Hundetrainer“ erkannt, dass es auch mit mehr Anstand geht.
... und was hat sich bei der Haltung von Hunden im Allgmeinen so getan?
In der Kürze kaum zu beantworten
Es gibt ja viele Erziehungsmethoden. Da wird geklickert, mit dem Futterbeutel gearbeitet, alles mit "Goodies" belohnt und noch vieles mehr. Was ist für Dich bei der Erziehung am Wichtigsten und siehst Du Deine Prioritäten?
Ich glaube dass jede Erziehungsmethode ihre Vor- und Nachteile hat. Für mich ist wichtig das der Respekt und die Achtung vor dem Hund gewahrt wird, was leider oft zu wenig der Fall ist.
Aber jeder Hund ist doch anders. Es gibt gut 400 verschiedene Rassen. Grosse und kleine Hunde. Jäger, Wachhunde, Retriever und andere, scheue und forsche Hunde. Kann man den bei allen die gleiche Methode anwenden?
Im Prinzip: Ja. Die Grundkommandos sind ja die Basis für jede andere „Tätigkeit", die später vom Hund verlangt wird. Darauf aufbauend können dann speziellen Aufgaben geübt (Jagdhund, Blindenführhund, Lawinenhund etc.) werden.
Gibt es überhaupt Hunde, die man nicht erziehen kann?
Eindeutig: Nein
... und wie sieht das mit den sogenannten Kampfhunden aus? Sind das nicht einfach unberechenbare Mordwerkzeuge?
Das ist absoluter Blödsinn. Ein Hund, gleich welcher Rasse, ist nicht per se ein Kampfhund, aber ich kann aus jedem Hund einen „Kampfhund“ machen. Leider wurden und werden immer dieselben Rassen von irgendwelchen „Menschen“ (um nicht zu sagen: Idioten) zu „Kampfhunden“ gemacht, was ich als absolute Schweinerei bezeichne.
Was emfpiehlst Du Menschen, die sich das erste Mal einen Hund halten wollen? Bringen diese Welpenspielgruppen eigentlich was oder ist das eine blosse Modeerscheinung?
Ich finde auf jeden Fall den Besuch einer Welpenförderung sehr gut (ist ja ab 2011 im Kt. Zürich für Hunde über 45 cm Schulterhöhe obligatorisch).
Immer wieder hört man: "Hundeschulen sind überflüssig". Einfach anständig mit dem Hund umgehen und dann ist alles ok. Früher ging das ja auch so. Was sagst Du diesen Leuten?
Hundeschulen (sofern diese mit dem nötigen Respekt vor dem Hund geführt werden) finde ich persönlich ein absolutes MUSS, werden hier nicht nur die Hunde „erzogen“ sondern vor allem die Hundehalter/Innen.
Die Hundegesetzte werden immer schärfer und wer sich heute einen Hund anschaffen will, muss die verschiedensten, staatlich verordnete Kurse machen. Ist das nur dafür da, dass die Hundeschulen mehr Geld verdienen oder findest Du diese Entwicklung sinnvoll?
Die neuen Hundegesetze sind meiner Ansicht nach völlig praxisfremd. Es ist gut dass die Hundehalter/Innen angehalten werden mit den Hunden eine Erziehung zu machen. Ich bin jedoch der Meinung dass jeder verantwortungsbewusste Hundehalter dies sowieso tut und die anderen „sitzen“ die vorgeschriebenen Lektionen einfach ab und machen dann wieder was sie wollen. Leider ist es so dass jetzt viele Organisationen wegen der gesetzlichen „Erziehungspflicht" auch von uns erfahrenen Hundetrainern für Kurse unverschämt viel Geld verlangen.
Ich höre da eine kritische Stimme zur aktuellen Entwicklung. Aber sind nicht gerade solche Vorschriften, wie der "Sachkundenachweis" oder Rasselisten sinnvoll, um die Bevölkerung und speziell Kinder vor Gefahren zu schützen.
Der sogenannte Fachkundenachweis ist eigentlich eine gute Sache. Die Vorgaben von „Oben“ (Gesetzgeber) gehen zum Teil völlig an den wirklich existierenden Problemen vorbei. Die Rasselisten sind ebenso Quatsch wie z. B. die im Kt. Zürich erwähnten 45 cm Schulterhöhe für den obligatorischen Besuch einer Welpenförderung. Ist ein Biss (falls er überhaupt beisst) eines Hund mit z.B. mit 44 cm Schulterhöhe weniger schlimm? Das sind willkürliche Regeln, die zur besseren Hundehaltung nur wenig beitragen.
Wie sollen demzufolge Hundehalter und Nicht-Hundehalter miteinander umgehen?
Die Basis für einen guten Umgang wäre der gegenseitige Respekt. Hundehalter sollten Ängste der Nichthundehalter akzeptieren (z. B. Hund zu sich nehmen etc.). Und Nichthundehalter sollten auch akzeptieren, dass ein Hund kein Roboter ist, den man per Fernbedienung steuern kann. Leider funktioniert das nur beschränkt. Hier wäre Aufklärung und Verständnis angesagt. Solange jedoch selbst Hundehalter untereinander nicht auskommen, wird sich das nur langsam bessern. Anstand ist halt für viele Leute ein Fremdwort!!!!!
Zum Schluss noch eine grundsätzliche Frage. Bei all den Herausforderungen, die sich heute im Bereich der Hundeerziehung stellen, ist es nicht schwierig die Motivation zu halten? Was fasziniert Dich an Deinem Beruf auch heute noch?
Meine Motivation sind meine treuen „Schüler“ welche ich über Jahre mit ihren Hunden begleiten darf. In meinen Trainingseinheiten vermittle ich die Idee, dass jeder Hund das Recht auf „geistige Arbeit“ hat (nicht nur auf kurze Spaziergänge bei schönem Wetter). Und wenn ich dann sehe, wie Hund und Hundehalter an neuen Herausforderungen wachsen, so ist das für mich die grösste Motivation. Darum versuche ich immer neue Übungen zu entwickeln.
Herzlichen Dank für die interessanten und klaren Stellungnahmen. Ich wünsche Dir mit Deiner Hundeschule noch viel Erfolg und viele schöne Stunden mit dem besten und treuesten Freund des Menschen.
Ich danke Dir auch. Ich hätte noch viel zu sagen (dank gewissen Politikern kein schweiz. Hundegesetz, das Hundegesetz generell, etc.), dies würde aber den Ramen dieses Interviews sprengen und meine Wortwahl wär eventuell „daneben“.
